Directors & Producers / RICARDA BEILHARZ

Ricarda Beilharz, geboren 1964, studierte Bühnenbild bei Achim Freyer in Berlin und arbeitete im Anschluss als freie Bühnenbildnerin unter anderem am Theater Neumarkt und am Theater Gessnerallee in Zürich, am Schauspielhaus in Wien und an der Volksbühne Berlin. Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit Stefan Bachmann Thomas Jonigk, Tom Till und Lars-Ole Walburg das Berliner «Theater Affekt». Seit 1995 ist Ricarda Beilharz auch als Regisseurin tätig.

Regisseurin ♦ Bühnenbildnerin ♦ Kostüme

Ricarda Beilharz studierte Bühnenbild bei Achim Freyer in Berlin und arbeitete im Anschluss als freie Bühnenbildnerin unter anderem am Theater Neumarkt und am Theater Gessnerallee in Zürich, am Schauspielhaus in Wien und an der Volksbühne Berlin.

Im Jahr 1992 gründete sie zusammen mit Stefan Bachmann Thomas Jonigk, Tom Till und Lars-Ole Walburg das Berliner «Theater Affekt». Seit 1995 ist Ricarda Beilharz auch als Regisseurin tätig. 1996 und 1999 wurde sie von der Zeitung «Theater heute» zur Nachwuchsbühnenbildnerin des Jahres gewählt, drei ihrer Arbeiten wurden zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Sie war von 1998 bis 2003 Regisseurin, Ausstattungsleiterin und Mitglied der Schauspielleitung am Theater Basel.

Es folgten Inszenierungen und Ausstattungen unter anderem am Thalia Theater Hamburg, Staatstheater Wiesbaden, Deutschen Theater Göttingen, Theater Freiburg, Wiener Burgtheater und am Luzerner Theater. Sie gestaltete Bühnen für Regisseure wie Andreas Kriegenburg, Didi Danquart, Stefan Bachmann, Thomas Jonigk, Clemens Sienknecht, Rafael Sanchez und Lars-Ole Walburg.

NÄCHSTE PREMIEREN

Regie und Bühne: Ricarda Beilharz, Kostüme: Jelena Miletic, Dramaturgie: Dagmar Borrmann
Mit: Emilia Galotti: Franziska Werner, Odoardo Galotti: Uwe Kraus, Claudia Galotti: Monika Kroll, Hettore Gonzaga, Prinz von Guastalla: Jürg Wisbach, Marinelli: Michael von Burg, Gräfin Orsina: Doreen Nixdorf,
Graf Appiani: Florian Thunemann
Premiere am 10. April. 2010
Weitere Vorstellungen: Samstag, den 10.04.2010, 19.30 Uhr; Mittwoch, den 14.04.2010, 19.30 Uhr;
Freitag, den 30.04.2010, 19.30 Uhr. So wie am  19., 26. und 30. Mai

Am Staatstheater Wiesbaden
Infos unter www.staatstheater-wiesbaden.de

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CARMEN nach Georges Bizet und Prosper Mérimée

Regie: Markus Bothe, Bühne und Kostüme: Ricarda Beilharz
Premiere am 4. Juni 2010 Infos unter: http://www.theaterkonstanz.de

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RICHARD III von William Shakespeare

Regie und Bühne: Ricarda Beilharz
Premiere am 30. September Infos unter: www.shakespeare-company.com

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BIOKHRAPHIA von By Lina Saneh und Rabih Mroué

Regie: Thomas Jonigk, Bühne und Kostüme: Ricarda Beilharz
Premiere: Dezember 2010 Infos unter: www.schauspielhaus.ch

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WOYZEK von Robert Wilson/Tom Waits/Kathleen Brennan nach Georg Büchner

Regie: Tina Lanik, Bühne: Ricarda Beilharz, Kostüme: Esther Geremus
Premiere Januar 2011
Infos unter www.duesseldorfer-schauspielhaus.de

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DER GUTE MENSCH VON SEZUAN von Bertold Brecht

Regie und Bühne: Ricarda Beilharz, Kostüme: Franziska Rast
Premiere 20. März 2011 Infos unter: www.staatstheater-wiesbaden.de

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IM SPIELPLAN:

DIE RÄUBER (Regie und Bühne) – Schauspiel von Friedrich Schiller
Premiere: 10. Januar 2009, Staatstheater Wiesbaden Kleines Haus

Nächste Vorstellungen: 15. April 2010

Regie und BühneRicarda BeilharzKostümeFranziska RastDramaturgieCarola HannuschMaximilian von Moor: Michael GüntherKarl: Florian ThunemannFranz: Michael von Burg, Amalia von Edelreich: Franziska Werner, Spiegelberg: Michael BirnbaumSchweizer: Lars WellingsRazmann: Sebastian MuskallaRoller/Kosinsky: Wolfgang BöhmPater: Michael GüntherRäuberin der Räuber: Anca Munteanu-RimnicDoreen Nixdorf

Karl von Moor hat vor Jahren seine Heimat verlassen, doch nun ist er das ‚Rumhängen’ leid und will zurück zu seinem Vater und seiner Geliebten Amalia. Er bittet den Vater um Verzeihung. Doch sein jüngerer Bruder Franz will nicht, dass der Erstgeborene und Lieblingssohn Karl wieder nach Hause kommt. Er, der sich von Geburt an benachteiligt und vom Vater nicht geliebt fühlt, spinnt eine kluge Briefintrige aus, die es Karl unmöglich macht, zurück zu kehren. Karl gründet daraufhin eine Räuberbande und gibt sich verzweifelt einem Leben hin, das von Gewalt und Gesetzlosigkeit geprägt ist. Jetzt ist der Weg für Franz frei. Doch die Gunst des Vaters und die Liebe Amalias zu erreichen, ist kein leichtes Unterfangen. Franz muss zu immer härteren Mitteln greifen, um an sein Ziel zu gelangen. Derweil übermannt Karl die Sehnsucht nach seiner Heimat. Er kehrt zurück…

Michael von Burg ist geradezu ein Spielwütiger in der Rolle des ewig zu kurz Gekommenen, der von seinem Hass getrieben wird. (…) Franziska Rast hat bei den Kostümen nicht nur der Phantasie freien Lauf gelassen. (…) Die Mode, seine Haltung oder Herkunft auf T-Shirts zum Besten zu geben, wird in den Wiesbadener ‚Räubern’ zum roten Faden, der Witz hat. (…) Es sind die einprägsamen Bilder und Gesten, lakonische Einsprengsel und das Spiel mit den T-Shirts, in denen die Inszenierung der gelernten Bühnenbildnerin Beilharz ihre starken Seiten hat.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

So wird jugendlich geflapst in der „Räuber“-Lesart von Ricarda Beilharz, es wird Spektakel inszeniert, aber es wird auch das Drama eines sehr jungen Dichters aufgeführt. Denn der Schiller-Text, das ist erstaunlich, wird nicht zugekleistert, obwohl eine Menge Kleister zum Einsatz kommt. Er erhält vielmehr einen Rahmen, in dem sein Zorn, seine Jugendlichkeit und wenigstens etwas von der theatralischen Sensation, die er einst darstellte, sich entfalten können.
Frankfurter Rundschau

Der klein gewachsene, quirlige Michael von Burg gibt als giftiger Kabale-Schmied eine große Vorstellung von Bosheit (…) – ob im Schmuddel-Outfit oder im Comic-Kostüm. Karl bekommt im Kontrast zu seinem Bruder bei Florian Thunemann eine weiche, introvertierte Färbung. (…) Er bleibt eine solitäre Erscheinung im Kreis der Spießgesellen. Die sind hier, trotz aller Uniformität, als Charaktere in durchaus Schillerschem Sinn sehr fein ausdifferenziert. Überhaupt: So weit die Inszenierung sich von historischer Spielweise auch entfernt hat, so verbunden bleibt sie doch dem Geist des Werkes. Wie im Fall der Amalia, die von Franziska Werner ganz natürlich als freches, selbstbewusstes, robustes und dennoch überaus verletzliches Mädchen unsrer Tage gespielt wird. Zu den Raffinessen des Abends gehört die systematische Verzahnung eigentlich getrennter Zeit- und Ortsebenen. Dabei kommt Anca Munteanu-Rimnic besondere Bedeutung zu. Als gelassen-vergnügter Mulifunktionsgeist treibt sie dem Stück den letzten Rest Naturalismus aus. Beilharz geht es nicht um das gefällige Erzählen einer Geschichte, sondern um das Verhandeln einer Tragik, die Jugend jetzt ebenso trifft wie ehedem. Deren Ausdruck ist rabiat und schnoddrig, auch comichaft und comedymäßig – jugendlich eben. Das mag ältere Klassikfreunde irritieren, aber das gleiche Prinzip hat die Älteren schon zu Schillers Zeit in Rage gebracht. Sehenswert.
Mainzer Rhein-Zeitung

Zugegeben, ein klassischer Schiller ist das nicht. (…) Regisseurin Ricarda Beilharz [erfindet] drastische Bilder, doch die komplizierte Geschichte über die beiden Brüder, die um die Gunst des Vaters buhlen, erzählt sich so von leichter Hand, wie in einem Film. Die Sprache allerdings ist die alte, echte, Schillersche. Schillers ‚Räuber’ – überhöht und doch bodenständig.
Hessenschau, Hessischer Rundfunk

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ARCHIV:

DIE SCHMUTZIGEN HÄNDE (Bühne und Kostüme)
von Jean-Paul Sartre Premiere am 22.04.2006. Eingeladen zum Berliner Theatertreffen 2007
Premiere am 22.4.2006, Thalia Theater Hamburg

Regie Andreas Kriegeburg, Bühne Ricarda Beilharz, Kostüme Ricarda Beilharz, Ensemble Daniel Hoevels, Judith Hofmann, Jörg Koslowsky, Hans Löw, Helmut Mooshammer, Jörg Pose, Natali Seelig, Dramaturgie Claus Caesar

“Es ist komisch frei zu sein, das macht schwindlig.“ 

Der junge Hugo ist in die kommunistische Partei des fiktiven Balkanstaates Illyrien eingetreten, um mit seiner ihm verhassten bürgerlichen Herkunft zu brechen. Er will sich beweisen mit einer Tat, die vollen Einsatz verlangt, und bekommt schließlich einen Auftrag. Er soll den Parteifunktionär Hoederer erschießen, der verdächtigt wird, mit dem feindlichen Lager zu kooperieren. Begleitet von seiner Frau Jessica schleust sich Hugo als Privatsekretär in Hoederers Haus ein. Doch Hugo, von Hoederer fasziniert, schiebt den Mord mehr und mehr hinaus. Am Ende tötet er Hoederer doch, als er seine Frau Jessica in dessen Armen findet. Die politische Situation hat sich gedreht. Der Mord war sinnlos. Aber Hugo besteht darauf, dass die Tat politisch motiviert war und nicht aus Eifersucht geschah. 
Sartres Drama über den politischen Mord stellt die existentialistische Frage nach der Entscheidungsfreiheit. Stellt die Frage nach Engagement und Verantwortlichkeit. Ob und wie man sich in gesellschaftliche Prozesse wieder einmischen muss, wie man als Einzelner zwischen persönlicher Einschätzung, ideellem Ziel und realer Lage agiert, wie man – in Zeiten globaler sozialer und demokratischer Krisen, von Krieg und Terrorismus – das “Richtige“ tut. Sich keine “schmutzigen Hände“ zu machen, scheint immer schwieriger und lässt Sartres Stück moderner denn je erscheinen.

Gleich im ersten Bild vermittelt sich Kriegenburgscher Aberwitz. Ein Soldat und die Parteifreundin Olga begegnen sich auf der fast leeren Bühne von Ricarda Beilharz, die eine Nachbildung der proletarischen Vision von Macht ist, wie sie sich im Berliner ZK-Gebäude findet: holzvertäfelte Wände, hohe, schießschartenartige Fenster von nationalsozialistischer Prägung, und ein beleuchtetes großes Perlengehänge mit Anmutung eines Kronleuchters.(…)
Im ersten Teil des dreistündigen Abends finden Kriegenburg und Beilharz ein schönes Bild für das scharfsinnig konzipierte Geplänkel des Ehepaares, in dem die ausweglose Situation auf der persönlichen Ebene vorab durchexerziert wird. Ein als Gartenlaube deklarierter Raum mit Ehebett senkt sich als transparente Plastikfolie vom Bühnenhimmel über nicht ganz blattlausfreie Grünpflanzen. Unter dieser Käseglocke spielen Hans Löw und Judith Hofmann als seine Frau Jessica mit Grandezza um die Glaubwürdigkeit ihrer Ehe
Frauke Hartmann/Frankfurter Rundschau

Andreas Kriegenburg inszeniert das Stück am Thalia Theater in Hamburg. Er schüttelt den Alten und heraus fällt: die Jugend zwischen Spiel und Ernst. Heraus fällt (aus dem Stück, weil es da drin war): das Theater als einzig wahre Existenzform. Wenn das Theater die einzig wahre Existenzform ist, dann darf laut gelacht werden. Das Lachen, die Komik der einzig wahren Existenzform, bringt Kriegenburg auch auf die Bühne. Mit ihm wird der Alte munter: Das ist grandios. Die Bühne ist rundum ausgeschlagen mit  hellen (frischen) Holzdielen, der Boden steigt leicht nach hinten an (der Fall der Ereignisse), in die Rückwand sind hohe schmale Durchgänge geschnitten (das sieht aus wie ein Ikea-Tempel). Von der Decke hängt ein Kronleuchter mit bis auf den Boden reichenden Plastikleuchtketten (eine Sternenbahn; der Lichtkegel der Geschichte gegen das Lichtzelt der Romanze). Unter der Decke hängt ein großes Gitter: Der Käfig der Zeit. Die stimmungsdichte Bühne und die Kostüme hat Ricarda Beilharz gemacht.(…) Die Erinnerung ist eine Zelle der Existenz: Ein riesiger Plastikduschkasten geht auf die Bühne runger. Das ist Hugos Gartenhaus bei Hoederer. Drin steht ein Bett, drum herum überall Topfpalmen.
Eberhard Rathgeb/Frankfurter Allgemeine Zeitung

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Viva La Mamma (Bühne)
Komische Oper in zwei Akten von Gaetano Donizetti nach Komödien von Simeone Antonio Sografi

Musikalische Leitung Wolfgang Wengenroth, Regie Markus Bothe, Bühne Ricarda Beilharz, Kostüme Dorothea Katzer, Choreinstudierung Christof Hilmer, Dramaturgie Bodo Busse
Mit: Daria Schwarzbaender-Fasskopf, die Primadonna: Annette Luig; Stefano Procolo-Fasskopf, ihr Ehemann: Reinhold Schreyer-Morlock, Thomas de Vries; Luigia Castragatti, Seconda Donna: Simone Brähler; Agata, ihre Mutter: Bernd Hofmann, Axel Wagner; Pipetta, Mezzosopranistin: Betsy Horne, Merit Ostermann; William Foster Jenkins, Tenor: Jonas Gudmundsson; Vincenzo Biscroma Stappatoni, Komponist, Dirigent: Brett Carter; Dr. K.K. Klöbner, Librettist, Dramaturg: Wolfgang Vater; Heinrich Müller-Lüdenscheidt, Impresario, Regisseur: Adalbert Waller; Jochen, Inspizient: Stephan Bieker

Orchester, Herrenchor und Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden

Das Opernhaus probt für eine Opera Seria. Doch hinter den Kulissen geht es wenig heldenhaft zu. Eher irdisch sind die Kämpfe der illustren Ansammlung von Diven und Helden um den Platz im Rampenlicht. Die hochmütige Primadonna brilliert mit virtuoser Gesangstechnik und versucht nebenbei, dem Librettisten ihre recht eigenwilligen Vorstellungen der szenischen Darstellung aufzudrängen. Der Tenor dagegen macht keine besonders glückliche Figur, hat er doch sowohl mit Stimm- als auch Sprachproblemen zu kämpfen. Und natürlich ist die zweite Sängerin der Meinung, dass ihre Künste und Wünsche viel zu wenig zur Geltung kommen. Vermutlich hätte man sie überhaupt nicht beachtet, wenn da nicht ihre Mutter wäre! Als ‚Mamma Agata’, gesungen von einer tiefen Männerstimme, die Bühne stürmt, ist an Proben nicht mehr zu denken. Vehement setzt sie sich für ihre Tochter ein. Ihr schärfster Kontrahent ist der Ehemann der Primadonna, der die Belange seiner Gemahlin nicht minder heftig vertritt.

‚Viva la Mamma!’, entstand in einer schöpferisch ertragreichen Zeit: acht Opern schuf Donizetti in den Jahren 1827/28, die er zum Teil selbst dirigierte – Möglichkeiten genug, um ‚Die Sitten und Unsitten des Theaters’, so die Übersetzung des italienischen Originaltitels, hautnah mitzuerleben und schließlich überzeugend zu persiflieren.

Donizetti gelang mit dieser Farce eine hinreißende Parodie auf die traditionellen Formen und Inhalte der Gattung Oper und ihrer verletzlichen Protagonisten, deren Probleme sich in den letzten zweihundert Jahren wahrscheinlich wenig verändert haben. Seine temperamentvolle, hochvirtuose und zugleich karikierende Musik zeichnet ein Bild von der liebenswerten Opernsehnsucht nach Größe, einer Sehnsucht, die ihre komischen Motive oft nur schlecht verbergen kann.

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GOTT DES GEMETZELS (Regie, Bühne, Kostüme)
Komödie von Yasmina Reza
Premiere am 17. Januar 2008, Staatstheater Wiesbaden, Kleines Haus

Regie, Bühne, Kostüme Ricarda Beilharz, Dramaturgie Carola Hannusch Mit: Véronique Houillé: Monika Kroll, Michel Houillé: Michael Günther, Annette Reille: Doreen Nixdorf, Alain Reille: Lars Wellings

‚Der Gott des Gemetzels’ ist die wohl brillanteste Wort-Schlacht zwischen zwei Paaren seit ‚Wer hat Angst vor Virginia Woolf’. Nur witziger. Insofern hält der Titel nicht, was er verspricht: weder geht es um blutige Auseinandersetzungen noch um Religion.
Der halbwüchsige Sohn von Annette und Alain (sie Vermögensberaterin, er Anwalt) hat dem Sohn von Veronique und Michel (sie Schriftstellerin, er Haushaltswaren-Großhändler) zwei Zähne ausgeschlagen. Beide Elternpaare sind fest entschlossen, die Sache liberal und großzügig aus dem Wege zu schaffen. Wie unter zivilisierten Menschen eben. Bei Kaffee und Kuchen beraten sie, wie man die aus dem Ruder gelaufenen Kinder zu einer politisch korrekten Versöhnung bewegt.
Mit kleinen Giftigkeiten beginnt es. Wer war eigentlich schuld an der Schlägerei? Und hat nicht die Tatsache, dass Michel den Goldhamster kaltblütig ausgesetzt hat, viel verheerendere Folgen auf die Kinderseele als eine Prügelei unter Kumpels? Kleine Scharmützel zwischen den Ehepaaren wechseln mit innerehelichen Generalabrechnungen. Der gute Ton erleidet zusätzliche Verstimmung, als Annettes empfindlicher Magen sich über Veroniques teuren Kunstbänden erleichtert. Michel macht sich über Veroniques Engagement für das notleidende Afrika lustig. Und Alain managt nebenbei per Handy einen Pharmaskandal. Der Rum tut ein Übriges, dass die Grenzen des zivilisierten Umgangs zunehmend verschwimmen.

Die Zimmerschlacht zweier Ehepaare, von der das jüngste Stück der ungarisch-iranischen Französin Yasmina Reza handelt, kann ihre ganze gallig-lachhafte Pracht entfalten. (…) Von der unausgesprochenen Aufforderung ‚es darf gelacht werden’ machen auch Ricarda Beilharz’ Wiesbadener Inszenierung und das dortige Publikum reichlich Gebrauch.
Rhein-Zeitung

Krolls Stimme der Kultur wird noch peinlich nachschwingen, nachdem man lang schon das Gebäude verlassen hat. Günther pendelt sich wunderbar ein zwischen der Gutmütigkeit des Konfliktvermeiders und dem Zorn des Gelegenheits-Rumtrinkers. Nixdorf (auch als Umhängetasche herrlich) und Wellings sind auf den ersten Blick das gestresste Paar, sie innerlich deutlich, äußerlich zart bebend, er am Handy und auch sonst enorm wichtig. (…) So plausibel führt Beilharz diese Personen in die Losgelassenheit, dass es dann auch nicht weiter erstaunt, wenn sie sich gelegentlich die schräge Bühne herunterrollen lassen.
Frankfurter Rundschau

Ricarda Beilharz stellt ihre Inszenierung nach eigenem Entwurf auf die Schräge einer pieksauberen, weißen Welt, wo sich die Charaktere effektvoll bis hin zum dämonischen Grau/Schwarz entwickeln können. (…) Die Arbeit der jungen Regisseurin lebt vom treffsicheren Gespür für Komik und Tragik. Farce und Realität liegen dicht beieinander, Situationen kippen überzeugend. (…) Monika Kroll gibt der Mutter des malträtierten Sohnemanns einmal mehr ganz persönliches Format. (…) Ihr weitaus robusterer, sanguinischer Gatte (schillernd: Michael Günther) sieht in der Ehe die schwerste Herausforderung Gottes.
Frankfurter Neue Presse

Ricarda Beilharz hält sich denn auch mit allzu forschen Regieanweisungen zurück und kann sich auf ihre vier soliden Darsteller prima verlassen – wobei die Idee, dem Konversationstheater physische Kontraste hinzuzugesellen, der Wiesbadener Inszenierung nicht übel steht (…) Die Heiterkeit des begeisterten Premierenpublikums jedenfalls kannte keine Grenzen.
Frankfurter Allgemeine Zeitung

Im Kopf:

Ein lange gehegter und noch unerfüllter Traum ist ein Projekt, das an Hand von Andy Warhols Buch “Von A bis B und zurück: die Philosophie des Andy Warhol” Künstler an einem (oder mehreren) Abend(en) vereinigen will. Ziel ist es eine Behauptungsmaschinerie in Gang zu bringen in der sich echte und unechte doppelte und gedoubelte Stars mit der Frage beschäftigen, welchen Schmerz es bedeutet, berühmt zu sein. Dabei geht es nicht darum reißerisch in den heutigen Castingshows zu wühlen, sondern in die Tiefe zu gehen und der Sehnsucht nach der Überwindung des Todes nachzuspüren, die in letzter Konsequenz hinter dem Wunsch steht, berühmt zu sein. Das Projekt soll eine Art Theater – Show werden, in der sowohl diverse Künstler eigene Beiträge mit erarbeiten, als auch Gäste eingeladen werden, die mit bestimmten Themen/Dingen konfrontiert werden. Ziel ist es, dass am Ende echte und unechte Stars nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind.